Vortrag von Prof. Dr. Axel W. Bauer - Katholischer Aktionskreis für das Leben e.V:

Vortrag von Prof. Dr. Axel W. Bauer

Prof. Dr. med. Axel W. Bauer spricht über die Wirren des assistierten Suizids

(Ulm 07.06.2014)

Mit unterschiedlichen Verwendungen der Begriffe Selbstbestimmung des Menschen und Beihilfe zum Suizid werde die Öffentlichkeit seitens verschiedener Interessengruppen beinahe systematisch verunsichert. Dies erklärte der Heidelberger Medizinethiker Prof. Dr. Axel W. Bauer auf einer vom Katholischen Aktionskreis für das Leben (KAL) und den Christdemokraten für das Lebens (CDL) ausgerichteten Veranstaltung am Pfingstsamstag in Ulm.
Ausgehend von den Überlegungen von Bundesminister Gröhe, der jede Form aktiver und organisierter Beihilfe zum Suizid verbieten möchte, betonte Prof. Bauer, dass die Öffentlichkeit dringend einer Klarstellung der Begriffe bedürfe. So lasse sich verstehen, warum laut Umfragen die große Mehrzahl der Deutschen angeblich einer Beihilfe zum Suizid aufgeschlossen gegenüberstehe.
Zur ethischen Rechtfertigung des Suizidwunsches werde zu Unrecht immer wieder die Autonomie der Person herangezogen, ohne auf die Lebensverhältnisse des Einzelnen einzugehen. Denn in der Praxis zeige sich, dass diese Autonomie doch durch eine Vielzahl von Umweltfaktoren und zwischenmenschlichen Beziehungen beeinflusst wird. Depressionen, psychische und somatische Krankheiten, Alleingelassensein, finanzielle Not und soziale Ausgegrenztheit lassen nicht nur, aber vor allem im Alter den Wunsch nach dem Freitod aufkommen. Dies weise darauf hin, dass die Gesellschaft mehr personenbezogene individuelle Hilfen entwickeln und anbieten muss. Hilfreich seien u.a. Kranken-Besuchdienste und Gesprächsgruppen schon zu Beginn einer schweren Krankheit, bei fortgeschrittener Krankheit können Palliativmedizin und psychologische Begleitung in Krankenhaus und Hospiz hilfreich sein und dem Patienten immer wieder Mut zum Leben machen. Bauer wies darauf hin, dass juristisch gesehen der Suizid straffrei sei. Straffrei sei auch der Abbruch einer medizinischer Hilfe in auswegloser, nicht stabilisierbarer Lebenssituation durch den Arzt, sofern der bestellte Vormund oder eine Patientenverfügung dies bestimme.
Da man aber nie vorhersagen könne, was man in der jeweiligen Situation wirklich will, könne gerade hier eine rechtzeitige Vorsorgevollmacht hilfreicher sein.

Energisch widersprach Prof. Bauer allen derzeitigen Forderungen, die Tötung auf Verlangen und damit die aktive und vielleicht sogar organisierte Beihilfe zum Suizid straffrei zu stellen. Jede bewusste und gezielte Mitwirkung an einer Selbsttötung eines Mitmenschen verbiete sich eigentlich, von der Würde des Menschen her gesehen, von selbst, denn kein Mensch habe ein Recht, oder gar die Pflicht an der Tötung eines Dritten mit zu wirken. Eine Beihilfe bei einer Tötung auf Verlangen würde letztlich einer eventuell sogar kassenfinanzierten Tötungsbeihilfe Tür und Tor öffnen. Jede Form einer Beihilfe, die sich mit der Selbstbestimmung zu rechtfertigen versuche, sei ein Schritt zur Prägung der Gesellschaft durch eine Kultur des Todes!

 

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